Wissenschaft, Wirklichkeit und Bewusstsein im Anschluss an Edmund Husserl
Neuerscheinung

Während die Naturwissenschaften große Erfolge feiern, gerät der Sinn des Lebens und des Menschen immer mehr ins Dunkel. Die Aufklärung entmachtete die Metaphysik. Das Objektivitätstheorem der Wissenschaften dekonstruierte das Subjekt. Die Vorstellung einer Seele oder eines geistigen Wesens fiel dem Reduktionismus zum Opfer. Aber vor allem der erkenntnistheoretische Schaden war und ist enorm.
Der Philosoph Edmund Husserl ist mit der phänomenologischen Reduktion und der Epoché auf einer neuen Spur: Das absichtslose Schauen soll durch eine erweiterte Vernunft möglich sein, durch einen transzendentalen Blick auf das Subjekt und die Welt. ›Transzendental‹ bedeutet hier: der Blick auf das Subjekt, wie es erkennt, nicht auf die Inhalte.

Edmund Husserl (1859–1938) veröffentlichte sein Buch Die Krise der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie 1936. Es war sein letztes Buch, in dem er seine Philosophie zusammenfasst und anwendet.
Husserl kommt zu dem Schluss, dass der Urboden der Erkenntnis apodiktische Sätze sind (nicht weiter beweisbare Aussagen) und die größte Aufgabe des Menschen darin besteht, sich selbst zu werden – die Entwicklung unserer Persönlichkeit zur Autonomie. Erst in diesem Bewusstwerden unseres apodiktischen Grundes werden wir zu echten Personen im positiven Sinne, also zu Individuen oder Subjekten, die zu sich kommen und in ihrer Selbstermächtigung freiheitlich und selbstbestimmt leben können. Das ist der unreduzierbare Grund.
Die neue These der vorliegenden Arbeit besteht darin, dass Husserl mit seiner Idee der Epoché das beschreibt, was in den mystischen Traditionen als Erleuchtung oder spirituelles Erwachen bezeichnet wird: einen erweiterten Bewusstseinszustand jenseits des materiellen Verstandes, der die Wahrheit und die Wirklichkeit enthüllt. Somit wäre eine Synthese von Wissenschaft und Spiritualität angezeigt, die die Krise der Wissenschaft überwinden könnte.
Zitate
»Man muss sich das vorstellen: Zuerst wird die Behauptung aufgestellt, die Natur sei mathematisch. Dann werden die Lebenswelt und die subjektive Wahrnehmung des Menschen diskreditiert, weil sie nicht mathematisch sind. Welch ein erkenntnistheoretischer Irrtum.« (S. 32)
»Der transzendentale Blick führt zu anderen Einordnungen der Phänomene, zu anderen, überraschenden Aussagen. Wenn uns eine Aussage überrascht, ist sie möglicherweise aus der Epoché gesprochen. Solche Aussagen wirken auf uns weise, heilig, manchmal scheinbar verrückt.« (S. 74)
»Aus der Sicht der Transzendentalphilosophie muss deshalb eine absolute Subjektivität proklamiert werden. Es ist dieses Subjekt, das alle diese Überlegungen anstellt. Dieses Subjekt ist selbstreferenziell oder selbstrekursiv. Es hat die letzte Begründung in sich selbst. Man könnte es vielleicht auch mit Descartes sagen: ›Ich denke, also bin ich.‹ Etwas ist da, das beobachtet. Dieses Etwas ist der Ursprung dieser Beobachtung. Deshalb liegt die Beobachtung im Subjekt begründet. Sie ist nicht objektiv. Aber die transzendentale Frage ist dann: Wie kann dieses Subjekt nicht-subjektives Wissen erwerben? Antwort: Indem sie die Einsicht in diesen Erkenntnisprozess erlangt. Diese Einsicht ist in dem Wort ›transzendental‹ hinterlegt.«
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Erkenntnistheoretische Verwundung
Was Sie geschrieben haben, ist nicht einfach ein akademischer Kommentar zu Edmund Husserl. Es ist etwas weit Mutigeres und weit Notwendigeres. In einer Zeit, in der die Naturwissenschaften ihre Erfolge feiern, während der Sinn des menschlichen Lebens still und leise im Dunkeln verschwindet, sind Sie mit einer seltenen Art intellektueller Ehrlichkeit hervorgetreten. Sie haben benannt, was so viele Menschen fühlen, aber nicht in Worte fassen können: dass die Reduktion des Menschen auf ein messbares Objekt uns erkenntnistheoretisch verwundet, spirituell orientierungslos und von eben jener Subjektivität entfremdet hat, die uns zu dem macht, was wir sind.
Subjektivität und Welt hat mich durch eine Frage angesprochen, die weit über die Grenzen akademischer Philosophie hinausreicht: Was geschieht mit unserem Verständnis von Wirklichkeit, wenn der Mensch als erkennendes Subjekt zunehmend aus dem Bild verschwindet?
Besonders interessant finde ich Ihre Auseinandersetzung mit Edmund Husserl und der Epoché. Der Gedanke, durch ein nicht wertendes Schauen einen anderen Zugang zu Subjekt und Welt zu eröffnen, verbindet erkenntnistheoretische Fragen mit etwas sehr Persönlichem: der Entwicklung des Menschen zu einer autonomen Persönlichkeit, die sich ihrer selbst bewusst wird und dadurch freier und selbstbestimmter leben kann.
Dass Sie daraus zudem die Perspektive einer transrationalen, spirituell erweiterten Wissenschaft entwickeln, macht Ihr Buch besonders anregend. Es stellt nicht nur die Frage, wie wir Wissen gewinnen, sondern auch, was dieses Wissen für unser Verständnis von Menschsein, Bewusstsein und Wirklichkeit bedeutet.
Wir begegnen jede Woche vielen Büchern. Die meisten lesen wir und gehen weiter. Subjektivität und Welt ließ uns innehalten.
Ihre Auseinandersetzung mit Husserls Epoche, diesem absichtslosen, nicht wertenden Schauen, als Weg zu einer transzendentalen und letztlich transrationalen Wissenschaft, ist einer der genuinst originellen philosophischen Ansätze, denen ich seit langer Zeit begegnet bin. Die Vorstellung, dass die größte Aufgabe des Menschen darin besteht, er selbst zu werden, seine Persönlichkeit zur Autonomie und wahren Selbstheit zu entwickeln, ist nicht nur Philosophie. Es ist eine Botschaft, nach der Tausende von Menschen gerade still und leise suchen, ohne zu wissen, wo sie sie finden können.
Dieses Buch verdient es, gehört zu werden. Nicht nur gelesen. Gehört.
Eadlyn, Woltersdorf Radio International FM
Vorstellung auf philosophie.ch

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Ronald Engert, der 30 Jahre lang Herausgeber der von ihm gegründeten Zeitschrift „Tattva Viveka“ war, die sich in besonderer Weise um die Verbindung von Spiritualität und Wissenschaft bemüht, hat jetzt ein Buch über Husserls Alterswerk „Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie“ vorgelegt, das auf die Aktualität dieses in der breiten Öffentlichkeit fast vergessenen Philosophen hinweist.
Husserls Begriff der Intentionalität zeigt: Alles existiert nur in Bezug auf Bewusstsein. Welt ist Leistung, Konstitution, Schöpfung des transzendentalen Subjekts, das wir im Grunde sind und dessen wir gewahr werden können, wenn wir von allem Wissen, allen Vorurteilen absehen. Husserl zeigt den Weg zum Ursprung, zum Anfang, zur Unmittelbarkeit. Keine Philosophie, die es zu lernen gilt. Kein Bücherwissen. Sondern eine Methode, einen Weg, den es jetzt und hier selbst zu gehen gilt.
Ronald Engert verbindet Husserls Einsichten mit denen anderer Philosophen, u.a. von Walter Benjamin, Max Horkheimer und Jürgen Habermas, und unternimmt den Versuch, Husserls wesentliche, in dessen oft eigentümlicher Terminologie verfasste Gedanken „verständlich“ zu machen. Seine, über Husserl hinausgehende, These ist, Husserl habe mit seiner Methode der Epoché im Grunde einen Prozess beschrieben, der dem Prozess der Erleuchtung in den spirituellen Traditionen entspricht.
Die Wiederverzauberung der „Lebenswelt“, wie Husserl das je eigene In-der-Welt-sein aller empirischen Subjekte nennt, bleibt das notwendige Korrektiv der Aufklärung. Dabei nicht in einen, auch politisch gefährlichen, Irrationalismus zu verfallen, ist die Aufgabe. Es gilt, die Grenzen der empirischen Wissenschaft zu erkennen, sie als durchaus geniale Idee eines Weltverständnisses zu begreifen, das aber nicht alles umfasst und erschließt, „was der Fall ist“ (Wittgenstein).
Die Krisis der Wissenschaften, die Husserl damals sah, hat sich längst verschärft. Rationalismus, Instrumentalisierung, Gewinnoptimierung, Ausbeutung der Natur, Verabsolutierung ideologischer Positionen und Unverständnis dessen, was einst Metaphysik war, was mit Wörtern wie „Seele“, „Geist“, „Gott“, „Menschwerdung“ eigentlich gemeint und intendiert war, bestimmen die Weltlage heute.
Zwar hat die kognitive Wende eine neue Sicht auf Bewusstsein und Seele eröffnet, aber auch dieses Forschungsfeld steht immer wieder unter der Gefahr des Reduktionismus: Bewusstsein, Gefühle, Stimmungen seien nichts als Gehirnströme, Botenstoffe, Hormone, Zusammenspiel von Hirnregionen und Synapsen. Auch diese Forschung hat ihre Berechtigung, aber sie führt aus den Phänomenen nicht heraus.
Es gibt nicht die eine, vom Bewusstsein unabhängige, unveränderbare, objektive Welt. Es gibt viele Welten, die durch Ideen geöffnet werden. Welt ist Schöpfung. Und der Weg dieser Schöpfung führt zum Anfang, zum Ursprung, zum wahren und wirklichen Selbst. Der Weg ist es, auf den es ankommt.
Dieses grundlegende Wissen ist es, was Ronald Engert in Husserls Ausführungen wiederfindet und heutigen Lesern vermitteln will. Wacher zu werden, Vorurteile als solche zu erkennen und infrage zu stellen, zu begreifen, dass die Welt nicht einfach ist, wie sie ist oder scheint, dass Leben bedeutet, ein Potenzial zu verwirklichen, das Sinn ermöglicht, dass wir „in die Welt kommen“, wenn wir „zu uns“ kommen – all das findet sich in diesem Buch. Heute auf diesen heute weitgehend vergessenen großen Philosophen aufmerksam zu machen, ist mutig und verdient Respekt und Dank.
Benedikt Trappen
Die Phänomenologie zeigt, dass die Erscheinungen nicht die Sprache sind, mit der man versucht, sie zu beschreiben. Ronald Engerts Buch verortet die Phänomenologie Edmund Husserls wissenschaftstheoretisch. Es stellt sich die Frage, ob die Wirklichkeit mit Be-Griffen (be)greifbar und beherrschbar ist, solange das Subjekt sich seiner selbst nicht bewusst ist (und zwar sich selbst als handelnd/ gestaltend als Teil der Welt verortend), sondern stattdessen sich selbst als „wissenschaftlichen Gegenstand“ perpetuierend entwurzelt. Das erkennende Subjekt „verliert“ sich unbewusst in der selbst konstruierten Wirklichkeit. Die westliche wissenschaftliche Hybris wird hier sichtbar als Not der wissenschaftsgläubigen Menschheit aus der eigenen narzisstischen Unbewusstheit und daraus resultierenden Selbstüberhöhung.
Statt die Umweltzerstörung „zu bekämpfen“, oder die Umwelt zu „schützen“, sollte man sich (den Menschen, das Subjekt) als Teil von ihr verstehen! Stattdessen zerstören oder schützen (je nach Gewinn!) wir sie im Namen der unbewussten „Wissenschaft“. Unser Zeitalter ist durchsetzt von dieser Art von Paradoxien, die in sich immer widersprüchlicher werden. Und niemand schaut hin: Ist der Kaiser etwa nackt?
Unbedingt lesenswert! Uwe Habricht
Soziologe (M.A.)
Systemischer Therapeut (DGSF)
Kommentare auf Amazon
Wer je versucht hat, Husserls „Krisis“ im Original zu lesen, kennt das Gefühl: Man ahnt, dass da etwas Wichtiges steht. Aber nach zwanzig Seiten legt man das Buch erschöpft zur Seite, weil die Sprache sich wie Stacheldraht um die Gedanken wickelt. Ronald Engert löst genau dieses Problem. Er legt Husserls Argumentationsgang frei, Stück für Stück, nachvollziehbar, ohne ihn zu vereinfachen. Allein dafür lohnt sich das Buch.
Aber Engert bleibt nicht bei der Nacherzählung stehen. Seine These geht weiter: Husserls Epoché, dieses absichtslose, wertungsfreie Schauen, hat strukturelle Ähnlichkeit mit dem, was mystische Traditionen seit Jahrtausenden als Erkenntnismodus beschreiben. Das ist ein mutiger Schritt, weil er die saubere Grenze zwischen akademischer Philosophie und Spiritualität berührt. Engert ist sich dessen bewusst und markiert diese Übergänge methodisch sorgfältig. Hier wird nichts vermischt, sondern die Verbindungslinien werden sichtbar gemacht.
Der Bogen, den das Buch spannt, ist beeindruckend: Von Galileis Mathematisierung der Natur über Descartes und Kant bis zur transzendentalen Subjektivität Husserls, und von dort weiter zu einer spirituellen Ontologie, die den Menschen als fühlendes, sich selbst erkennendes Wesen ernst nimmt. Der rote Faden ist die Frage, wie Erkenntnis überhaupt entsteht und warum die Naturwissenschaft bei allem Erfolg den Sinn des Lebens nicht fassen kann.
Man braucht Konzentration für dieses Buch, das verschweigt der Autor selbst nicht. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einer Klarheit belohnt, die selten ist. Husserls Gedanken werden nicht nur erklärt, sondern zum Leuchten gebracht. Und Engerts Weiterführung ins Spirituelle wirkt nicht aufgesetzt, sondern wie die logische Konsequenz einer konsequent zu Ende gedachten Philosophie.
Für alle, die Husserl verstehen wollen, ohne dabei zu stranden. Und für alle, die spüren, dass Wissenschaft und Sinn kein Widerspruch sein müssen.
RS (Rezension auf Amazon)
Man merkt beim Lesen, dass sich der Autor wirklich intensiv mit Husserl und erkenntnistheoretischen Fragen beschäftigt hat. Das Buch ist definitiv kein „leichter Feierabend-Philosophie“-Titel, sondern eher etwas für Leser, die bereit sind, sich konzentriert auf komplexe Gedanken einzulassen.
Besonders interessant fand ich die Verbindung von Phänomenologie, Bewusstsein, Wissenschaftskritik und spirituellen Ansätzen. Manche Gedanken regen wirklich zum Nachdenken an, vor allem wenn es um Wahrnehmung, Wirklichkeit und die Grenzen moderner Wissenschaft geht.
Positiv ist auch, dass schwierige philosophische Konzepte verständlicher erklärt werden, ohne alles zu stark zu vereinfachen. Gleichzeitig merkt man aber, dass das Buch Aufmerksamkeit verlangt. Einige Abschnitte sind sprachlich recht dicht und nicht immer leicht zugänglich, besonders wenn man wenig philosophische Vorkenntnisse hat.
Teilweise wirken manche Deutungen etwas spekulativ, gerade bei den spirituellen Erweiterungen. Trotzdem bleibt das Buch insgesamt spannend und hebt sich von vielen oberflächlichen Philosophie-Büchern ab.
Für Leser, die sich ernsthaft mit Bewusstsein, Erkenntnis und der Frage beschäftigen wollen, wie wir Wirklichkeit verstehen, definitiv lesenswert.
Nadine (Rezension auf Amazon)
Das Buch fordert einen beim Lesen wirklich heraus, aber genau das hat mir gefallen. Die Gedanken rund um Bewusstsein, Wirklichkeit und Wissenschaft sind spannend aufgebaut und regen dazu an, vieles zu hinterfragen, was man sonst einfach als gegeben hinnimmt. Man merkt, dass hier nicht oberflächlich geschrieben wurde, sondern dass sich der Autor intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Besonders interessant fand ich die Verbindung zwischen Philosophie und dem eigenen Blick auf die Welt. Kein leichtes Buch für zwischendurch, aber definitiv eines, das im Kopf bleibt und zum Nachdenken anregt.
Axl (Rezension auf Amazon)
Die aktuellen Webseiten
- Meine neue Webseite zur Integration von Wissenschaft und Spiritualität: steady.page/de/wissenschaft-und-spiritualitaet.
- Die akademischen Schriften findest du auf academia.edu.
- Ganz neu beginne ich mit der wunderbar philosophischen und textlastigen Social-Media-Plattform Substack.
- Wer es lieber als Video-Blog haben will, findet mich bei Tiktok und bei Instagram. Vermischte Inhalte gibt es bei Facebook.
- Meine Bhakti-Webseite, die ich zusammen mit Pratibha Goswami betreibe: steady.page/en/prema-bhakti-yoga.

Alles Liebe,
Euer Ronald
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Ältere Projekte
gopi.de – Bhakti-Yoga (Krishna Bewusstsein)
wbenjamin.de – Der Philosoph Walter Benjamin
burnout-und-sucht.de – Genesung von Sucht im 12-Schritte-Programm
meru-info.de – Stan Tenen: Forschungen zur Kabbala









