V.i.s.d.P.:
Ronald Engert
Akazienstr. 28
10823 Berlin
Ein Verhaltenstherapeut erklärte mir einmal den Unterschied von Denken und Fühlen so: Das Denken kann blitzschnell in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu reisen, das Gefühl ist immer an die Gegenwart gebunden.
Dies finde ich ein gutes Indiz, um die unterschiedlichen Zuständigkeiten von Denken und Fühlen zu verstehen. Ich kann mir jederzeit meine Vergangenheit oder meine Zukunft vorstellen, bis hin zum Paradies oder zum Weltuntergang. Das Denken ist unabhängig von Raum und Zeit, es reist mit Lichtgeschwindigkeit oder vielleicht noch schneller. Das Gefühl hingegen ist immer an die gegenwärtige Situation gebunden. Das, was ich fühle, hat immer mit dem Hier und Jetzt zu tun. (mehr …)
Als ich aufs Gymnasium ging, entdeckte ich die Alternativkultur. Ich war fasziniert und tauchte in die Musik und den Lebensstil der 68er-Rebellen ein. Ich wurde selbst zum Rebell und kämpfte für eine bessere Welt. Erst viele Jahre später merkte ich, dass meine Ablehnung der Autoritäten ihre Herrschaft in mir keineswegs gebrochen hatte. Ich lehnte ihre Werte ab und lebte das Gegenteil. Bei mir war ich dabei aber keineswegs angekommen. Ich war immer noch von den Autoritäten bestimmt, nur diesmal negativ. (mehr …)
Viele Menschen denken, es gehe darum, sich gut zu fühlen. Ich nicht. Ich denke, es geht darum, zu fühlen. Es gibt Menschen, die ständig versuchen, glücklich und zufrieden zu sein. Das ist schön und ehrenhaft, allein, es ist nicht das, was wahr ist. Sie glauben, es ist gut, sich gut zu fühlen und es ist schlecht, sich schlecht zu fühlen. (mehr …)
Seit einiger Zeit bin ich dabei, auf meiner Straßenseite aufzuräumen. Dazu gehört es, mich selbst auf meine Mängel hin zu untersuchen. Gibt es Anteile in meinem Charakter, die nicht in Ordnung sind? Habe ich Fehler gemacht? Dabei wird mir klar, je mehr ich meine Charakterfehler erkenne, umso mehr erkenne ich auch, wie ich anderen Menschen Schaden zugefügt habe. Opferhaltung, reaktives Verhalten, der Anspruch, dass andere sich um mich kümmern, Erwartung von Zuwendung und Anerkennung – das sind alles meine co-abhängigen, infantilen Verhaltensweisen und Haltungen. Indem ich die Verantwortung für mein Leben übernehme, sehe ich erst, was wirklich passiert. Ich höre auf, andere zu beschuldigen. (mehr …)
Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.
Hier ist ein Auszug:
Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 36.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 13 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.
Vielen von uns geht es darum, in der Welt etwas zu verändern. Wir wollen die Welt retten, wir wollen zum Fortschritt des Bewusstseins beitragen, wir wollen Atomkraftwerke abschalten und so weiter. Dahinter liegt die Idee, dass wir etwas ändern können. Wir gehen stillschweigend davon aus, dass wir die Macht haben, dies zu tun. Wir tun etwas, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das in der Regel aus unserem Denken erschaffen wird. Daraus ergeben sich bestimmte Motive, Strategien und Erwartungen, was unsere Handlungen betrifft. Wie wäre es jedoch, wenn wir einmal von der Annahme ausgingen, dass wir machtlos sind? Dass wir nicht in der Lage sind, etwas zu verändern, dass wir nichts tun können. Welche Motive, Strategien und Erwartungen würde das mit sich bringen? Ich glaube tatsächlich, nur mit dieser Grundannahme können wir echte, klare und wirksame Strategien entwickeln, um in dieser Welt etwas zu tun. Nur so haben wir das klare Motiv, das nicht durch Ego und Machtphantasien verunreinigt ist. Warum soll ich denn dann überhaupt noch irgendetwas tun, wenn es eh nichts bringt?, wird sich nun manch einer fragen.
Es geht jedoch in der Tat um eine Handlung, die ohne Bedingungen und ohne Erwartungen ausgeführt wird. Eine Handlung um der Handlung willen, ohne an die Ergebnisse und den Gewinn zu denken. Das bedeutet, die Kontrolle aufzugeben, und das ist das Schlimmste, was unserem Ego passieren kann. Jede intentionale Haltung verfälscht die Handlung und macht sie zu einem egoistischen, perspektischen Tun, wenn auch vielleicht gut gemeint. So erzielen wir immer nur Teilerfolge, die umgehend von ihrem Gegenteil wieder entkräftet werden. Die echte Handlung fügt sich ein in den göttlichen Plan, sie übersteigt unsere menschlichen Kalkulationen.
Mein lieber Freund und Kollege Aman, der Herausgeber der SEIN, diskutiert mit mir oft über die aktuelle Situation der Atomkraft. Wir arbeiten im gleichen Büro, und so haben wir öfters die Gelegenheit.
Aman widmet sich hingebungsvoll den konkreten Fragen und sucht nach praktischen Ansätzen, um eine Energiewende in der Gesellschaft voranzubringen. Er weiß alles über das Salzbergwerk Asse, in dem Plutonium eingelagert ist, und er hat minutiös recherchiert, was Altbundeskanzler Helmut Schmidt in den Siebzigern getan hat, um die Atomenergie politisch zu etablieren.
Ich selbst stehe da manchmal beschämt daneben, denn ich kann mich für diese konkreten politischen Fakten wenig erwärmen und kenne mich demzufolge nicht aus. Vielleicht geht es manchen von Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, ähnlich? Die Tagespolitik geht irgendwie an mir vorbei.

Ich frage mich, was die Menschen überhaupt dazu bringt, so gewalttätig mit der Schöpfung umzugehen. Warum besteht wo wenig Empathie für die Natur und für andere Menschen? Was treibt einen Politiker dazu, über Leichen zu gehen? Warum kann er diesen Schmerz nicht fühlen? Warum ist ihm oder ihr diese Zerstörung egal? Oder sucht er sie etwa?
Hier kommen wir zum Allgemeinen im Konkreten. Was treibt uns Menschen an? Ich glaube, wir beziehen unsere Energie und unsere Motivation nicht aus dem Denken oder der Vernunft, sondern aus dem Gefühl. Der Wunsch nach Zerstörung kommt aus dem Unbewussten. Er ist die Antwort auf selbst erlittene Zerstörung, die nicht geheilt wurde – verdrängter Schmerz, Angst und Wut aufgrund von seelischen Verletzungen, sexuellem Missbrauch, körperlichen Misshandlungen. Schon die Kinder werden damit traktiert.
Um die Welt und uns selbst zum Guten zu verändern, braucht es die ganze Bandbreite: die Vorarbeit in den emotio-spirituellen Grundlagen und die Nacharbeit in den geschaffenen Fakten. So kommen wir vielleicht in den magischen Moment des Jetzt, wo eine befreite Handlung – spontan und gefühlt – möglich ist.
Hat man die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verfolgt, dann war immer wieder das Wort „Energiewende“ zu hören. Überall hört man nun vom Ausstieg aus der Atomenergie, selbst im konservativen Lager. Der alte gelb-rote Button aus den 80er Jahren mit der Sonne feiert sein Come-Back.
Das erinnert mich an diese Zeit vor 30 Jahren. Damals sind wir schon auf die Straße gegangen, um gegen Atomkraftwerke und Atomwaffen zu demonstrieren. Ich erntete von der Generation meiner Eltern dafür nur Hohn und Spott, bestenfalls noch Unverständnis. Die Grünen waren Exoten oder Spinner. Heute heißt es: „Die Kernenergie ist tot.“ Wir hören von der Zwangsabschaltung der Kernkraftwerke, Aktien alternativer Energieanbieter wachsen zweistellig, den Anti-AKW-Sticker ziert nun mancherorts das SPD-Logo.
30 Jahre hat es also gedauert, um von einer Außenseiterposition in die Mitte der Gesellschaft zu rücken.
Heute ist es die Spiritualität, die diese exotische Außenseiterposition in weiten Teilen der Gesellschaft noch hat. Die Spiritualität steht in diesem Sinne noch am Anfang davon, eine nennenswerte Breite zu erreichen. Es ist indes offensichtlich, dass die ökologische Wende nur ein Teilerfolg auf dem Weg zur menschlichen Gesellschaft ist. Der äußeren Heilung der Erde und der Natur muss sich die innere Heilung der inneren Natur des Menschen hinzugesellen. Der Mensch selbst ist es ja, der alle diese Dinge anstellt und der Urheber guter wie auch schlechter Taten ist. Nur in der Hinwendung zu einem lebensrichtigen Verständnis unseres eigenen Seins können wir auch zu einem lebensrichtigen Umgang mit unserer Mitwelt gelangen.
Die spirituelle Entwicklung ist also nun das Gebot der Stunde. Hier ist die Vorhut für die nächste Stufe der menschlichen Gesellschaft positioniert. Die spirituelle Bewegung ist jetzt da, wo die Ökologie vor 30 Jahren stand. In 30 Jahren werden wir also in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein. Spätestens, denn wie wir erleben, beschleunigt sich die Geschwindigkeit aller Entwicklungen. Jetzt ist die Zeit, sich ernsthaft den spirituellen Aspekten unseres Lebens zuzuwenden, um nach der Energiewende als nächstes die Herzenswende zu schaffen.