Autor: Ronald Engert

  • Editorial zu Tattva Viveka 49

    Liebe Leserinnen und Leser

    ich möchte heute an dieser Stelle mal eine Lanze für die Wissenschaft brechen. Im Vorfeld zu dieser Ausgabe, im Verlauf der redaktionelle Arbeit zu dem Thema »Quantenphysik und Bewusstsein«, unterhielt ich mich hier und da mit Leuten aus dem spirituellen Umfeld und erzählte ihnen fasziniert von den Erkenntnisse der Quantenphysiker, die die Aussagen der spirituellen Traditionen und die Erfahrungen der spirituellen Praktiker bestätigen. Manchmal kam eine verständnislose Reaktion ob meiner Begeisterung, so nach dem Motto »Ist doch eh klar, dass alles Bewusstsein ist.« Was sei daran schon besonderes, wenn die Physiker nun mit mühseligen kleinsten Schritten endlich etwas beweisen, was jeder Esoteriker schon längst weiß. Wozu diese kleinen Schritte, wenn wir das doch im großen Wurf schon längst weit hinter uns gelassen haben? Daraus klingt dann auch eine leichter Unterton von Arroganz gegen diese unwissenden Wissenschaftler hervor, die noch in der materiellen Umnachtung gefangen sind.
    Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen diesen beiden Formen des Wissens. Ich möchte zu bedenken geben, dass viele Menschen in den esoterisch-spirituellen Kreisen keine wissenschaftliche Ausbildung haben und demzufolge über etwas urteilen, was sie nicht kennen. Wissenschaft als überflüssig abzutun, ohne zu wissen, was es überhaupt ist, ist wenig überzeugend, finde ich. Da ich selbst eine wissenschaftliche Ausbildung an der Universität erhalten habe, weiß ich zumindest, was wissenschaftliches Arbeiten und Erkennen bedeutet. Ich möchte einfach nur bemerken, dass Wissenschaft ein Erkenntnisinstrument ist, das nach bestimmten Gesetzen funktioniert, die man im weitestens Sinne als die Gesetze des Denkens beschreiben kann. Wissenschaft bemüht sich um gesichertes Wissen, das von Glauben und Fürwahrhalten unterschieden wird. Wie kann ich als Mensch zu Erkenntnis und Wissen gelangen? Woher weiß ich, dass meine Erkenntnis richtig ist? Wissenschaft unterscheidet zum Beispiel streng zwischen Hypothese und Argument. Als Wissenschaftler muss ich eine Hypothese aufstellen, weil es nicht anders geht, weil so das Forschen funktioniert. Aber ich muss diese Hypothese als solche klar zu erkennen geben. Dann muss ich Argumente oder Beweise finden, die meine Hypothese belegen. Unwissenschaftliche Denkweisen vermischen öfters Hypothese und Argument. Man stellt eine Hypothese auf, z.B. »Bewusstsein bestimmt Materie«, und nimmt das in der Argumentation gleich als Beweis oder Argument. Hier wird dann Erkenntnis und Behauptung vermischt und nicht klar unterschieden. So bleiben die Aussagen im Bereich des Glaubens, und sind somit nicht bewiesen und sehr leicht angreifbar. Wir kommen so nicht aus dem Bereich der Beliebigkeit heraus.
    Wissenschaft hat also eine bestimmte Arbeitsweise, in der Hypothesen echte Hypothesen, und Beweise echte Beweise sind. Wenn ein Wissenschaftler seine Hypothese nicht beweisen kann, gibt er sie ohne Zögern auf. Er identifiziert sich nicht mit einem Glauben. Somit ist er gegen Dogmatismus gefeit und vermag, objektive Erkenntnis zu erzielen, d.h. Erkenntnis, die keiner persönlichen Absicht untersteht. Gerade die wissenschaftliche Arbeitsweise ist somit Garant für das Finden von Wahrheit. Da Wahrheit genuin das Feld der Spiritualität betrifft, treffen sich hier Wissenschaft und Spiritualität in der innersten Essenz dessen, was den Menschen betrifft. Deshalb ist es ein Unterschied, ob die Wissenschaft das Bewusstsein beweist, oder ob wir einfach nur daran glauben.

  • Woher kommt das Recht?

    Die Rede des Papstes vor dem Bundestag

    Woher wissen wir, was gut und was böse ist? Wie setzen wir das Recht?

    Rechtsphilosophie halte ich für eines der spannendsten Themen im Bereich Menschheit. Sie verschränkt die höchsten spirituellen Prinzipien mit dem existentiellen irdischen Leben. Wie können wir Gerechtigkeit erfahren? Wie regeln wir den gesellschaftlichen Umgang der Menschen untereinander?

    In früheren Zeiten wurde das Recht von der Religion abgeleitet. Heutzutage ist dieser Bezugspunkt nicht mehr gebräuchlich und es stellt sich die Frage: Woher leiten wir jetzt das Recht ab?

    Papst Benedikt hat dazu eine kurze, aber ungemein dichte Rede gehalten, die den Dingen auf den Grund geht und die Unreduzierbarkeit einer Anbindung ans Spirituelle auf ziemlich elegante und geschickte Art und Weise argumentiert.

    Er leitete seine Rede mit einem schönen Beispiel ein. König Salomon wurde bei seiner Thronbesteigung von Gott eine Bitte freigestellt. Was erbat sich Salomon? Kein Geld, kein Erfolg, keine Macht. Er bat um ein „hörendes Herz“, damit er sein Volk regieren und Gut von Böse unterscheiden könne.

    Der Papst argumentiert, dass es die Aufgabe des Politikers sei, nicht nach Erfolg oder materiellem Gewinn zu streben, sondern „dem Recht zu dienen“. Doch woher wissen wir, was Recht ist. Meist reiche die Mehrheit aus, aber es gäbe auch „Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit“ geht. Zu Recht weist der Papst auf ein Beispiel hin, wo in einem Unrechtsstaat der Widerstand zur Pflicht wird (Origenes, 3. Jh. n. Chr. über den Widerstand der Christen gegen die Skyten), und stellt auch die Widerstandskämper im Naziregime in diese Reihe. Hier greift das Recht der Mehrheit nicht mehr.

    Die Quelle bei Origenes spricht vom „Gesetz der Wahrheit“. Aber was das sei, liege nicht so einfach zu Tage und sei nicht evident. Gerade in heutiger Zeit seien „die grundlegenden anthropologischen Fragen“ keineswegs geklärt. Es verliere sich vielmehr der geistige Bezug, da die moderne Philosophie und Wissenschaft rein positivistisch ausgerichtet sei. Positivismus besagt, dass nur das Funktionale und Messbare wirklich existiert. Man hält sich an das materiell Gegebene, das was in wissenschaftlichen Untersuchungen – im Prinzip in Messungen – einen positiven Befund zeigt, also „vorhanden“ ist. Positiv meint hier nicht das wertende „gut“, sondern das bloße Vorhandensein, vgl. „HIV positiv“. HIV-positiv bedeutet nicht, dass HIV gut ist, sondern dass jemand das Virus hat. Von einer lebensförderlichen Ethik her betrachtet ist „HIV positiv“ schlecht und „HIV negativ“ ist gut, weil HIV eine tödliche Krankheit ist und es gut ist, wenn man diese Krankheit nicht hat. In diesem Fall ist auch Zerstörung gut, nämlich dann wenn die Viren zerstört werden.

    Zurück zur Papst-Rede. Früher sei das Recht in der Regel religiös auf göttliche Offenbarung begründet gewesen. Das Christentum habe auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen, „auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.“ Die christlichen Theologen hätten sich „gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt.“ Benedikt führt mit diesem Passus die Kategorie des „Gewissens“ ein. Leider wird für mein Verständnis nicht klar, wie er dazu kommt (vielleicht ist das einfach der Kürze des Traktats geschuldet). Das Gewissen sei das hörende Herz Salomons, „die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft“. Das Gewissen ist also die menschliche Stimme der Vernunft. Dieses Gewissen hätte uns auch durch die Zeit der Aufklärung, der Erklärung der Menschenrechte und der Gestaltung unseres Grundgesetzes getragen. Mittlerweile sei jedoch eine dramatisch veränderte Situation eingetreten.
    Durch den Siegeszug des Positivismus sei der Bezug des Seins zum Sollen verloren gegangen. Es zählt nur noch, was ist, und dieses werde durch funktionale – ich möchte ergänzen: mechanistische – Bezüge erklärt. Vor diesem Hintergrund wurden Ethos und Religion in die subjektive Sphäre verwiesen. Sie sind nicht mehr objektiv bestimmbar. Wir kennen das: ,Anything goes‘. „Da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt“, so der Papst, und: „Dies ist eine dramatische Situation (…)“.
    Das führe in die Kulturlosigkeit und fordere zugleich extremistische und radikale Reaktionen heraus – ein wichtiger Punkt, finde ich. Wir schüfen fensterlose Betonbauten, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, ohne Fenster in die weite Welt Gottes. Obwohl wir doch nach wie vor von Gottes Vorräten schöpften!

    Der Papst weist darauf hin, dass der Mensch sich nicht selbst gemacht hat. Das ist wichtig! Wir Menschen neigen dazu, uns in einem Ausschnitt der Realität einzurichten, indem wir uns selbst als gegeben voraussetzen, und vergessen dabei, dass auch dies eine Wahrheit ist: wir machen uns nicht selbst. Woher kommen wir also?

    Spannenderweise zieht Benedikt ausgerechnet die ökologische Bewegung als Fürsprecherin für seine transzendentale Position heran. Jungen Menschen sei bewusst geworden, „dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen.“ Es gehe darum, „auf die Sprache der Natur zu hören“, und es gäbe auch eine „Ökologie des Menschen“. Auch der Mensch habe eine Natur, die er achten müsse und nicht einfach manipulieren könne. Der Mensch habe sich nicht selbst gemacht. Die Natur weise eine objektive Vernunft auf und Normen, die rechtsphilosophisch nur aus dem Willen kommen können. Also müsse es in der Natur einen Willen geben, was ein intelligentes Wesen, einen „Creator Spiritus“, also einen Schöpfergott, voraussetze.

    Papst Benedikt ist schlau genug, an dieser Stelle nicht einfach nur auf die Religion zurück zu lenken. Er beruft sich auf das europäische Erbe aus dem Dreigestirn Jerusalem, Athen und Rom – der Gottglauben Israels, die philosophische Vernunft der Griechen und das Rechtsdenken der Römer. Indes – von der Überzeugung eines Schöpfergottes her sei die Idee der Menschenrechte entwickelt worden, die Gleichheit der Menschen, die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die Verantwortung des Menschen für sein Handeln.

    Dies sind ohne Zweifel die Größen, um die sich ethische Fragen drehen. In der „Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen“ werden die Maßstäbe des Rechts gesetzt. Damit kehrt Benedikt zu der religiös begründeten Ethik zurück und kombiniert sie mit dem humanistischen Axiom der Menschenwürde, die rechtsphilosophisch gesehen meiner Meinung nach auch ohne Gott gedacht werden kann.

    Benedikt endet mit der Bitte Salomons und empfiehlt den Politikern im Bundestag, um das hörende Herz zu bitten, „die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.“

    Es ist schon ergreifend für mich, dass eine solche tiefe rechtsphilosophische Fragestellung vor den pragmatischen Alltagspolitikern präsentiert wurde, und noch dazu von einer anerkannten Autorität. Die Politiker ergehen sich ja in der Regel nur in demagogischen Ego-Kämpfen, in ideologischen Reden und in Sachfragen. Das ist in gewissen Sinne auch ihre Aufgabe. Dennoch stellen sich diese grundlegenden Fragen, und nur allzu selten werden sie behandelt.

    Die Notwendigkeit eines transzendenten Pols, also einer wie immer religiösen oder spirituellen Ausrichtung auf eine Höhere Macht, einen Schöpfer, Göttin-Gott, Großen Geist oder wie auch immer, bringt der menschlichen Erkenntnis eine dritte Dimension, gleichsam eine vertikale Achse. Eine Instanz über den Menschen schützt sie vor der Hybris, unantastbare Schöpfer zu sein, ganz oben an der Spitze zu stehen und allmächtig zu sein. Wir sind „nicht selbst gemacht“, wie Benedikt voll und ganz realistisch bedenkt. Demzufolge stehen wir nicht ganz oben und sind nicht allmächtig. Das gibt Demut und in der Tat sogar Erkenntnis der Realität, wie sie ist. Das daraus sogar die Verantwortung des Menschen für sein Handeln folgt, ist eines der Mysterien des echten Glaubens. Gott hat uns geschaffen. Wir sind gewollt. Der Mensch, der diese Schöpfung zerstört, weist Gott zurück. Wir haben diese Fähigkeit, Gott zurückzuweisen. Und genau daraus ergibt sich die unreduzierbare Verantwortlichkeit für unser Handeln trotz und gerade wegen Gott. Nicht blinder Glaube also, im Sinne eines kindlichen Gottesglaubens, der jede eigene Verantwortung leugnet, ist hier angezeigt, sondern die große Synthese aus Gott und der Welt. Wir Menschen können zwar die Schöpfung manipulieren und zerstören, aber wir können das nicht schöpfen, was Gott geschaffen hat. Noch keinem Wissenschaftler ist es gelungen, einen Grashalm zu erzeugen, ganz zu schweigen von einer Ameise oder anderem. Wir modulieren und manipulieren das Gegebene. Mehr können wir nicht. Wir können Gott zurückweisen und uns an seine Stelle setzen. Aber das ist nur eine Verkennung der Realität.

    In der Anerkennung Gottes oder einer göttlichen Kraft enthüllt sich uns die Ethik und die Unterscheidung von Gut und Böse. Nicht als Normenkatalog, den es unter Androhung von Strafe zu befolgen gälte, sondern als inneres Wissen, als Ge-Wissen, das aus der rechten Einordnung des Menschen in die Schöpfung resultiert. Insofern ist wahres Recht das Gesetz der Wahrheit, dessen, was wahr ist, was tatsächlich ist. Nur in der Anwendung des wahren Bezugssystems fühlen wir die Stimmigkeit, den Kammerton A des Herzens. Es funktioniert. Dieses Bezugssystem ist keine Schöpfung des Menschen und unterliegt nicht seiner Entscheidung. Wir können es indes erkennen. Dann fällt alles an seinen rechten Platz und es offenbart sich alles, wie die Sonne am Tag alles erleuchtet.

    Die Rede des Papstes als Video in der Mediathek des Bundestages.

  • Brene Brown: The power of vulnerability | Video on TED.com

    Brene Brown: The power of vulnerability | Video on TED.com.

    Das Wichtigste aus dem Inhalt:

    Verbindung ist das, worum es geht. Scham ist die Angst vor Nichtverbundensein. Die Angst, dass ich der Verbindung nicht würdig bin.
    Es geht um ein Gefühl, es wert zu sein, um Würdigkeit.
    Menschen, die ein starkes Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit haben, glauben, dass sie diese Liebe und Zugehörigkeit wert sind.
    Menschen mit gutem Selbstwert haben Courage. Das Wort kommt von dem lateinische „cor“, was Herz bedeutet. Sie leben von ganzem Herzen und haben das Herz, sich so zu zeigen, wie sie sind. Sie haben die Courage, unvollkommen zu sein. Aufgrund ihrer Authentizität sind sie in der Lage, die Vorstellung loszulassen, wer sie sein sollten, um die zu sein, die sie sind. Sie nehmen auch ihre Verletztlichkeit voll und ganz an. Sie glauben, dass das, was sie verletztlich macht, sie auch schön macht. Verletztlichkeit ist die Bereitschaft, als erster zu sagen „Ich liebe dich.“ und Dinge zu tun, bei denen es keine Garantien gibt.
    Wie würdest du Verletztlichkeit definieren? Was macht dich verletzlich?
    Man kann Emotionen nicht selektiv betäuben. Wenn wir Schmerz, Verletztlichkeit, Trauer, Scham, Angst, Enttäuschung betäuben, dann betäuben wir auch Freude, Dankbarkeit, Glücklichsein.
    Es ist nicht immer Sucht, warum wir uns betäuben. Es ist auch der Versuch, Gewissheit herzustellen. Wir wollen Recht haben. Schuld ist eine Methode, um Schmerz und Unbehagen zu entladen. Wir wollen perfektionieren.
    Die Aufgabe gegenüber unseren Kindern ist nicht, sie perfekt zu halten, sondern ihnen zu sagen: „Du bist unvollkommen, und du bist als Mensch dazu prädestiniert, Probleme zu haben. Aber du bist es wert geliebt zu werden und dazuzugehören.“
    Der Weg ist, zuzulassen, dass wir tief gesehen werden, in unserer Verletztlichkeit. Und mit unserem ganzen Herzen zu lieben, auch wenn es keine Garantie gibt. Und daran zu glauben, dass wir genug sind.

  • Warum man sich an Leid erinnert und Glück vergisst

    Die Erinnerung ist immer etwas Abgeschlossenes, Festgestelltes. Vergangenes Unrecht ist geschehen und abgeschlossen. Es besteht hier eine Beziehung zwischen dem Abgeschlossenen der Vergangenheit und dem geschehenen Leid. Das Leid wird durch seinen Abschluss bestätigt.
    Glück und Freude jedoch werden nicht durch einen Abschluss besiegelt, sondern tendieren zum ewigen Weitergehen. Ein Ende des Glücks widerspricht dem Wesen des Glücks. Insofern ist es nichts Abgeschlossenes und kann somit auch keine Erinnerung sein. Das Glück verhält sich anders zur Zeit, denn sein positiver Charakter wird durch die Vergänglichkeit weitgehend negiert.

    (inspiriert durch Max Horkheimer und Walter Benjamin in: Walter Benjamin: Das Passagenwerk, Gesammelte Werke Band 5, S. 589)

  • Tattva Viveka 48 erschienen

    Armin Risi – Spirituelles Unterscheidungsvermögen. Warum Polarität und Dualität nicht dasselbe sind • Ronald Engert – Wir sind alle ewige Personen. Zur Existenz eines individuellen Selbst • Daniel Barron – Wer wir noch nie waren. Die Realität des persönlichen authentisierten Seins • Dr. Ulrich Ott – Meditation für Skeptiker. Ein Gehirnforscher auf der Suche nach dem Selbst, Teil 2 • Angela Mahr – Tantrische Liebe, was ist das? Das Göttliche im Menschlichen annehmen, Teil 2 • Andreas Gruss – Der Weg des Vergessens. Auf den Spuren der Freimaurer, Teil 2 • Andreas Bummel – Soziale Evolution, Weltparlament und Bewusstsein • Michael Habecker – Lebenslust, die Erleuchtung der Fülle. Ein integrales Verständnis von Erleuchtung
    http://www.tattva.de/tattva-viveka-48/

  • Angeblicher Terroranschlag

    Nachtrag am 12.08.2011: Die Seite http://www.26-06-2011.de ist nicht mehr erreichbar. Vermutlich wurde die Seite vom Netz genommen. Unglaublich, wenn man bedenkt, welche Unmengen an Material und Infos auf der Seite veröffentlich waren und was das an Zeit und Arbeit erfordert haben, das alles zu sammeln, zu schreiben, zusammenzustellen und hochzuladen…
    (ich wusste schon, warum ich damals eine Screen-Shot von der Seite gemacht habe 😉

    Angeblicher Terroranschlag

    Wahrscheinlich haben einige Menschen aus der esoterischen Szene von dem geplanten Anschlag auf die Fußballverbandweltmeisterschaft gehört. Dieser sollte gestern Abend um 19.00 Uhr bei der Eröffnung im Berliner Olympiastadion stattfinden. Es gab eine durchaus wahrnehmbare Öffentlichkeitsarbeit der Vertreter dieser Attentatstheorie. Unter anderem gibt es die Internetseite: http://www.26-06-2011.de

    Zum Glück ist nichts passiert, war ja auch klar. Diese Verschwörungstheorien kursieren immer wieder durch die esoterischen Szene, und langsam platzt mir der Kragen. Anbei mein Kommentar, den ich auf der oben erwähnten Seite heute geschrieben habe. Aus Zeitmangel ist er sehr knapp gehalten, die ganze Sache müsste psychologisch und erkenntnistheoretisch wesentlich weiter ausgeführt werden. Wenn ich mal Zeit habe, werde ich das tun.

    Die Internetseite www.26-06-2011.de

    KOMMENTAR:

    Liebe Leute,

    Als Herausgeber der Zeitschrift Tattva Viveka habe ich natürlich sehr früh von diesem ganzen Warnungen vor einem Anschlag gehört. auch bin ich persönlich bekannt mit Philipp Miklas. Ich habe mich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, betrachtet das jetzt im Nachhinein jedoch fast schon als Fehler. Ich habe nämlich von Anfang an nicht an diesen Irrsinn geglaubt.

    Die Idee, dass hier ein Anschlag geplant war und auch die Art und Weise, wie das bewiesen werden sollte, erweckt in mir lediglich den Eindruck, dass es sich um eine esoterische Psychose handelt. Man könnte es auch Verfolgungswahn nennen. Oder Hysterie.

    Hier wird Angst geschürt, und den Menschen wird eingeredet, dass sie in einem Zustand der Bedrohung der Gefahr der Gewalt des Krieges und der Zerstörung leben.

    Wie man nun sieht, ist nichts passiert. Die Vertreter dieser Verschwörungstheorien setzen natürlich nach, war ja klar. Jetzt sagen sie, ihre Öffentlichkeitsarbeit hätte den Anschlag verhindert.

    Wirklich ein schönes geschlossenes mentales System. Hier kann man sich einrichten und gut fühlen. meines Erachtens handelt es sich hier um Allmachtsfantasien. man vermutet eine kleine verschworene Gruppe, eine Machtelite, wie die ganze Welt und die ganze Menschheit kontrolliert. Wäre es nicht möglich, dass es sich hier um Projektionen handelt? Es ist eigentlich der eigene Wunsch nach Allmacht, der hier nach außen projiziert wird. Und wenn wir dann diese Machtelite, diese kleine Gruppe, ausgeschaltet haben, können wir uns selbst auf ihre Stühle setzen. Dann haben wir die ganze Macht und können die Welt endlich zum Heil führen.

    Es fehlen mir zum Teil die Worte, und auch die Zeit, dies länger auszuführen. Was soll ich sagen? Es erschreckt und entsetzt mich, dass Menschen, die sich als spirituell verstehen, solche Denkmuster an den Tag legen. Und dass Menschen so viel Zeit vergeben, um sich mit diesen Sachen so ausführlich zu beschäftigen und solche Webseiten ins Internet zu stellen. Was für eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen.

    Lieber Philipp, ich kenne dich und schätze dich eigentlich als Mensch. Es tut mir auch leid, dass ich hier eine entschiedene Gegenposition vertreten muss.

    Ich arbeite für die spirituelle Revolution, für eine Bewusstwerdung der Menschheit. Aber ich finde es echt hoffnungslos, wenn ich mir vorstelle, mit Menschen, die an solche Sachen glauben und solche Theorien in die Welt setzen, zusammen zu arbeiten. Da kann ich nur sagen, lassen wir es besser so wie es ist.

    schönen Tag noch
    Ronald Engert, www.tattva.de

    Hier steht der Kommentar: http://www.26-06-2011.de/component/kunena/9-Der-Tag-an-dem-es-nicht-geschah/2066-Wir-sind-alle-verrückt-D?limit=6&start=6#2111<

  • Das Einzige, was stört

    Hallo. Ich habe gerade ein Manuskript gelesen, mit dem Titel “Das Einzige was stört, sind deine Gefühle“. Darin geht es um die Anwendung von Feng Shui und bestimmten psychologischen Methoden, um zum Erfolg, Lebensfreude, Glück und Wohlstand zu gelangen. Ich möchte jetzt nicht den Autor nennen, um niemanden zu kompromittieren. Habe aber das Bedürfnis, meine Gedanken, die ich beim Lesen aufgeschrieben habe, hier zu teilen, weil sie ein kleines Streiflicht auf das Verhältnis von Denken und Fühlen liegen. Bitte versteht es als Gedankensplitter, oder Miniaturfragment.

    Zu dem Manuskript:

    Der Text bietet über weite Strecken als Lösung einer Art Umdenken an. Affirmation, veränderte Glaubenssätze, Visualisierung, Überzeugungen, Vergebung, Einstellsätze, Programmierung, Gehirn.

    Meines Erachtens ist es so, dass es einen Emotionalkörper gibt, der nichts mit dem Denken und dem Gehirn zu tun hat. Die Emotionen gehören zu unserem inneren Wesenskern und sind als Gefühle gespeichert, so eine Art Felder oder gefühlte Informationsqualitäten. Sie sind überall im grob- und feinstofflichen Körper gespeichert, zum Beispiel in den Muskeln (vergleiche Wilhelm Reich), in den Drüsen, im Rückenmark, in den Nervengeflechten im Darm, in unserer Historie, im Emotionalkörper.

    Der Emotionalkörper ist ein feinstoffliches Phänomen, das nicht weiter reduzierbar ist, etwa auf Gedanken, Energien, Wissen.

    Der Emotionalkörper ist der Kern unseres Ich. Das Ich ist keine Illusion, sondern unsere ewige Individualität, unsere Soheit. Dieser Emotionalkörper ist ganz konkret und geprägt von allen Kindheitserfahrungen.

    Die Gefahr der Abspaltung von sich selbst ist nicht nur durch die traumatische Erfahrung in der Kindheit gegeben, sondern auch durch Heilungsversuche, die am Mentalkörper ansetzen, alle Arten von Methoden, Strategien, mentalen Ansätzen. Dazu gehören alle oben genannten Lösungen des Umdenkens.

    Oberflächlich kann man durch strategische Verstärkung von Freude, Stolz, Eigenliebe etc. eine Verbesserung der Befindlichkeit erreichen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass dadurch die strategische Abspaltung von der eigenen inneren Wahrheit verstärkt wird. Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen, sondern zu fühlen.

  • Alice Miller über Freud, Jung und Adler

    Zur Zeit lese ich Alice Miller. Ihr Standpunkt ist ziemlich radikal, und ich möchte jetzt hier mal ein Zitat bringen. Es ist ein radikales und extremes Zitat, das nicht die ganze Bandbreite dieser Autorin wiedergibt, aber einiges an Provokationen bietet.

    „Von Freud, Jung, Adler und ihren zahlreichen Nachfolgern wurden auch Psychotherapeuten zur Unterdrückung der Wahrheit ermutigt. Diese Lehrer mussten ihre Kindheit verdrängen, wie wir alle, aber sie gaben sich nicht wie Nietzsche mit intellektuellen Spielen zufrieden, auch nicht mit der Verwirrung von Lesern und ihrer Selbstverwirklichung.
    Sie taten mehr, sie gründeten Schulen, in denen sie künftige Therapeuten verwirrten. In diesen Schulen und Institutionen boten sie ihren Schülern ihre Theorien an, als wären diese medizinisch-wissenschaftliche Entdeckungen. Auf diese Weise verkauften die Meister ihr Versagungsprodukt – die abstrusesten Theorien, die ihnen geholfen hatten, die Wahrheit zu verleugnen –, als ob es ein Erfolgsprodukt wäre, als ob die Theorien die Wahrheit enthielten.“

    Alice Miller: Abbruch der Schweigemauer, Hoffmann und Campe 1990, S. 39

  • Alice Miller

    Alice Miller.

    Alice Miller bringt es auf den Punkt. Alle ihre Bücher halte ich für empfehlenswert. Im Kern der menschlichen Motivation steht das in der Kindheit Erlebte, die Kränkungen, Ohrfeigen, die Schweigemauer der Eltern, das Nicht-Gefühltwerden. Daraus entstehen Intellektualisierungen, Leugnungen, Verharmlosungen.
    Wie zum Beispiel die Theorie, dass es keine Wahrheit gibt, oder dass es nur viele verschiedene Wahrheiten gibt.
    Die echte Wahrheit darf nicht gesehen und gefühlt werden.

  • Die zwölf Versprechen von AA

    1.Wir werden eine neue Freiheit und ein neues Glück kennenlernen.        2.Wir wollen die Vergangenheit weder beklagen, noch die Tür hinter ihr zuschlagen.  3.Wir werden verstehen, was das Wort Gelassenheit bedeutet…         4….und erfahren, was Frieden ist.
    5.Wie tief wir auch gesunken waren, wir werden merken, dass andere aus unseren Erfahrungen Nutzen ziehen können.
    6.Das Gefühl der Nutzlosigkeit und des Selbstmitleids wird verschwinden.     7.Unsere Ich-Bezogenheit wird in den Hintergrund treten, das Interesse an unseren Mitmenschen wird wachsen.
    8.Unser Egoismus wird dahinschmelzen.
    9.Unsere Einstellung zum Leben und unsere Erwartungen werden sich ändern.     10.Angst vor den Menschen und vor wirtschaftlicher Ungewißheit werden schwinden.
    11.Ohne lange nachzudenken werden wir jetzt mit Situationen fertig, die uns früher umgeworfen haben.
    12.Plötzlich wird uns bewusst, dass Gott für uns das erledigt, wozu wir allein nicht in der Lage sind.

    Quelle:

    viaAA.